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Selbstverständnis

Beschlossen auf der Mitgliederversammlung am 28.10.2017 in Erfurt.

 

Übersicht

1. Der Förderverein

2. New Future for Children in Kambodscha

2.1 Kinderheim und nachbarschaftliche Bildungsarbeit
2.2 Das Studierenden-Haus
2.3 Englisch-Unterricht in der Provinz
2.4 Freiwillige

3. Postkoloniale Perspektiven

3.1 Das Konzept
3.2 Ungleichheiten abbauen

 

1. Der Verein [↑]

Der am 17. Dezember 2016 gegründete Förderverein New Future for Children e.V. dient der finanzi­ellen Unterstützung unserer kambodschanischen Partnerorganisation New Future for Children (NFC) in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Diese vermittelt kambodschani­schen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die für die Gründung einer eigenen Existenz erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten, allgemeine und berufliche Ausbildung.

Indem wir ehemalige Freiwillige und weitere Interessierte zusammenbringen, wollen wir in Deutschland zudem über die Hintergründe von New Future for Children in Kambodscha infor­mieren und neben den aktu­ellen Gegebenheiten vor Ort auch postkoloniale Perspektiven thema­tisieren.

 

2. New Future for Children in Kambodscha [↑]

Unsere im Jahr 2003 gegründete kambodschanische Partnerorganisation unterhält ein Kinder­heim, ein nachbarschaftliches Bildungsprogramm, ein Studierenden-Haus sowie ein länd­liches Bildungs­projekt. Insgesamt macht New Future for Children damit einen Unterschied in den Leben von über 100 benachteiligten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

 

2.1 Kinderheim und nachbarschaftliche Bildungsarbeit [↑]

Das Kinderheim bietet einer wechselnden Anzahl von Kindern aus Verhältnissen struktureller Benachteiligung (Armut, Kinderarbeit, Drogenmissbrauch, häusliche Gewalt und/oder Eltern­losigkeit) ein sicheres Zuhause und drei Mahlzeiten am Tag. Im Gegensatz zu den oft unter­finanzierten staatlichen Schulen erhalten sie durch den Besuch der privaten Westline High School zudem exzellente Bildungsmöglichkeiten. Alternativ absolvieren einige der Kinder eine Berufsausbildung bei der französischen Organisation Pour un Sourire d’Enfant (PSE), im Rahmen derer sie durch zahlreiche Praktika bei regionalen Unter­nehmen bereits früh Berufs­erfahrung sammeln können. Die Vielfalt der angebotenen Fächer, die von technischen und gastronomischen Ausbildungen bis zu Film, Fotografie, Kunst und Malerei reichen, ermöglicht den Auszubildenden dabei eine auf ihre individuellen Fähig­keiten und Interessen zugeschnit­tene berufliche Verwirklichung.

Neben dem externen Unterricht in der Westline School und bei Pour un Sourire d’Enfant erhalten die Kinderheim-Kinder sowie im Rahmen des nachbarschaftlichen Bildungs­programms („Community Education Project“) auch eine wachsende Anzahl an Kindern und Jugendlichen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, im Kinderheim von kambodschanischen Lehrer*innen sowie kambodschanischen und internationalen Freiwilligen Englisch-, Kambodscha­nisch-, Mathematik- und Computer-Unterricht. Mit dem Abschluss des Computer-Unterrichts können die Schüler*innen die weltweit anerkannte International Computer Driving License (ICDL) erwerben. Ergänzt werden diese Angebote zudem durch individuellen Nach­hilfe-Unterricht und persönliche Hausaufgaben-Betreuung.

Auch auf die Vermittlung kambodschanischer Kultur legt die Organisation großen Wert. Dies spiegelt sich unter anderem in traditionellem Musik- und Tanzunterricht sowie dem gemein­samen Pagoden-Besuch an buddhistischen Feiertagen wider.

Schließlich runden zahlreiche Freizeit-Aktivitäten das Angebot des New Future for Children Kinder­heims ab. Diese umfassen Fußball- und Volleyball-Training sowie Yoga-, Breakdance- und Schwimmunterricht.

 

2.2 Das Studierenden-Haus [↑]

Nach erfolgreichem Abschluss der Westline School und dem Beginn eines Universitäts-Studiums ziehen die jungen Studierenden aus dem Kinderheim aus und in das sogenannte Midway House. Dabei handelt es sich um eine Wohngemeinschaft, in der neben den NFC-Studierenden derzeit auch mehrere Studierende der mit NFC kooperierenden Cambodian Organization for Living and Training (COLT) leben. Neben dem Studium haben die meisten Studierenden einen Nebenjob, um sich ihre Miete und Lebenshaltungskosten anteilig selbst finanzieren zu können.

Die Unterstützung bis zu einem Ausbildungs- oder Universitätsabschluss garantiert den jungen Menschen nachhaltige Jobchancen und die Möglichkeit, ihre jeweiligen beruflichen Ziele zu verwirk­lichen sowie zu lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.

 

2.3 Englisch-Unterricht in der Provinz [↑]

Früher selbst im Kinderheim und Midway House, initiierte Ratana nach erfolg­reichem Abschluss seines Studiums selbst ein Projekt in seiner Heimat-Provinz Prey Veng, knapp 100 Kilometer und 2 Stunden Fahrt von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt, um den dort lebenden Kindern Englisch beizubringen. Zusätzlich kommen die Schüler*innen einmal im Monat in die Hauptstadt, um im Kinderheim am Computer- und Englisch­unterricht teilzuneh­men. Unter­stützung erhält Ratana bei seinem Projekt von weiteren Midway House-Studierenden. Sein Englisch-Unterricht in der Provinz bestätigt die Qualität und Nachhaltigkeit des Konzeptes von New Future for Children.

 

2.4 Freiwillige [↑]

Neben den hauptamtlichen Mitarbeitenden unterstützen auch einige kambodschanische und inter­nationale Freiwillige die Arbeit von New Future for Children. Diese sind in ganz unter­schied­lichen Bereichen tätig: Während die internationalen Freiwilligen meistens Englisch unter­richten, aber auch schon Foto- und Gartenprojekte angestoßen haben, helfen die kambodscha­nischen Freiwilligen auch in den Bereichen Finanzverwaltung und Buchhaltung, Bildungsmanagement sowie ebenfalls beim Englisch-Unterricht.

Um die Kinder- und Jugendschutzrichtlinien von New Future for Children einzuhalten, legen organisations­interne Richtlinien für Freiwilligendienste eine Mindest­dauer von drei Monaten fest. Dies dient dazu, dass die Kinder konstante Vertrauensbeziehungen zu Bezugsaufbauen können, und beugt Freiwilligen-Tourismus vor. Dieser schadet aufgrund der kurzen Zeit und oftmals unzu­reichenden Vorbereitung und Reflexion in vielen Fällen mehr als dass er nutzt (ChildSafe Network: „Kinder und Jugendliche in Heimen sind keine Touristenattraktion!“).

Zu den regelmäßig kommenden Freiwilligen zählen die zwei weltwärts-Freiwilligen der Vereinigung Junger Freiwilliger, die jeweils ein Jahr bleiben.

Um einen gleichberechtigten Austausch und bilaterale interkulturelle Lernerfahrungen zu ermög­lichen, setzt sich New Future for Children gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen zudem ver­stärkt für einen Süd-Nord-Austausch ein, der bereits mehreren Schüler*innen einmalige Lern­erfahrungen in Deutschland, Singapur und Neuseeland ermöglichte.

 

Weitere Informationen zu New Future for Children finden Sie auf der Facebook-Seite der Organi­sa­tion.

 

3. Postkoloniale Perspektiven [↑]

 

3.1 Das Konzept [↑]

Post-Kolonialismus geht davon aus, dass das gewaltsam etablierte Machtgefälle zwischen den ehe­maligen Kolonialmächten und Kolonien mit deren Unabhängigkeitserklärungen nicht verschwunden ist, sondern im Gegenteil bis heute aufrechterhalten wird. Postkoloniale Kritik beschäftigt sich mit der Überwindung weiterbestehender kolonialer Denk- und Handlungs­muster sowie fortgeführter politischer und wirtschaftlicher Ausbeutung ehemals kolonisierter Länder. Vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit Europas halten wir den euro­zentrischen Blick auf die Welt, der zwischen „entwickelten Industrieländern“ und „unter­entwickelten Entwicklungsländern“ unterscheidet, deshalb für kritisch zu hinterfragen. Denn auch der Entwicklungsbegriff selbst ist stark wertbehaftet und impliziert eine bestimmte Vorstellung von Entwicklung sowie die hierarchisierende Einteilung, wer die Macht hat zu „entwickeln“ und wer „entwickelt“ werden muss.

Aus diesem Grund verwenden wir statt „Industrie- und Entwicklungsländer“ oder „Erste und Dritte Welt“ die wertfreieren Begriffe des Globalen Südens sowie des Globalen Nordens. Dabei sind diese Begriffe nicht im geografischen Sinne zu verstehen, sondern als eine soziopolitische Einteilung. Der Begriff des Globalen Südens beschreibt dabei eine in der aktuellen Welt­ordnung benachteiligte politische und wirtschaftliche Position, während der Globale Norden eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position beschreibt.

 

3.2 Ungleichheiten abbauen [↑]

Insbesondere vor dem Hintergrund der kolonialen Vergangenheit Kambodschas sowie der langen Unterstützung der Roten Khmer durch die Vereinten Nationen* sind wir von der Notwendig­keit der Unterstützung der ausgezeichneten Bildungsarbeit für in besonderem Maße benachteiligte Kinder und Jugendliche in Kambodscha durch New Future for Children über­zeugt.

Nichtsdestotrotz sind wir uns des Spannungsfelds bewusst, in welchem wir uns mit der Arbeit unseres Fördervereins bewegen. Den finanziellen Transfer von Deutschland nach Kambodscha halten wir für sinnvoll und notwendig, um bestehende Ungleichheiten zu redu­zieren. Dabei ist uns wichtig, dass die kambodschanische Organisation New Future for Children auch in Zukunft eigenverant­wortlich von Kambodschaner*innen geleitet wird und wir uns nicht in interne Prozesse und Abläufe der Organisation einmischen. Gleichzeitig wollen wir keine stereotypen Vorstellungen von einem „unterentwickelten, bettelarmen, aber exotischen und grundlegend andersartigen“ Kambodscha reproduzieren, dem von „entwickelten und wohlhabenden“ Deutschen geholfen werden muss, „die wissen, wo’s lang geht“. Wir wissen, dass uns dies wohl nicht in jeder Hinsicht gelingen kann und wird, halten aber die kritische Selbstreflexion sowie den Austausch und Diskurs mit anderen für not­wendig, um einen kompetenten Umgang mit der Problematik zu gewährleisten.

 

* Obwohl die Roten Khmer von 1975 bis Ende der 1990er Jahre die kambodschanische Infrastruktur gezielt zerstörten und rund zwei von sieben Millionen Kambodschaner*innen brutal ermordeten, wurden sie während des Kalten Kriegs von den „Westmächten“ lange als Verbündete gegenüber dem kommunistischen Vietnam angesehen.

 


Last updated: 20.12.2017

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