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Kambodscha

Das Königreich Kambodscha liegt in Südostasien und grenzt im Westen und Nordwesten an Thailand, im Norden an Laos sowie im Osten und Südosten an Vietnam. Mit einer Fläche von 181.035 km² ist es ungefähr halb so groß wie Deutschland, hat mit rund 15 Mio. Einwohner*innen aber eine weitaus geringere Bevölkerungsdichte. Ein großer Teil seine Landfläche ist bewaldet, zunehmende Abholzung stellt jedoch ein ernstzunehmendes Problem dar. Bei monatlichen Durchschnitts-temperaturen zwischen 26 und 30°C beherbergt Kambodscha eine vielfältige Flora und Fauna. Während man Elefanten, Affen, Bären oder Schlangen in der Trockenzeit von Dezember bis Mai leichter entdeckt, kann in der Regenzeit von Juni bis November ein unglaublicher Artenreichtum in der Pflanzenwelt bestaunt werden. Im Ton Le Sap-See, dem während der Regenzeit größten See Südostasiens, sowie den großen Flüssen Mekong, Ton Le Sap und Bassac sind zudem zahlreiche Fischarten sowie im unteren Abschnitt des Mekong der seltene Irawadi-Delfin beheimatet.

Politisch gliedert sich Kambodscha in 21 Provinzen und vier provinzfreie Städte, darunter die Hauptstadt Phnom Penh. Mit rund 2,5 Mio. Einwohner*innen ist diese auch mit Abstand die größte Stadt des Landes. Weitere große Städte sind Kampong Cham, Battambang und Siem Reap. Offizielle Währung ist der kambodschanische Riel (៛ oder KHR), wobei 1€ ungefähr 4.500៛ entspricht. Daneben ist jedoch auch der US-Dollar gängiges Zahlungsmittel. Rund 95% der Kambodschaner*innen folgen der Schule des Theravada-Buddismus, beeinflusst oftmals von animistischen Elementen und Ritualen der Ahnenverehrung. Wichtige Feiertage sind unter anderem das kambodschanische Neujahr im April, die Pchum Ben Ahnengedenktage im September/Oktober und das Wasserfestival im Oktober/November. Weitere anzutreffende Glaubensrichtungen sind zudem der Islam, der Hinduismus und das Christentum.

 

 

Während viele der frühen Tempel Angkors, dem Zentrum des historischen Khmer-Königreichs, das in seiner Hochphase Ende des 12. Jahrhunderts fast das gesamte Festland Südostasiens beherrschte, ursprünglich den hinduistischen Gottheiten Shiva, Vishnu und Brahma geweiht wurden, finden sich bei späteren Tempeln zunehmend buddhistische Elemente. Dieser Übergang spiegelt sich insbesondere in Angkor Wat wieder, dieser gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf Anordnung des Königs Suryavarman II errichteten monumentale Tempelanlage, die heute noch das größte religiöse Bauwerk der Welt und ein herausragendes nationales Symbol Kambodschas darstellt. Denn ursprünglich als Hindu-Tempel entworfen, wurde Angkor Wat nach und nach in einen buddhistischen Tempel umgewandelt. Neben der Angkor-Periode sowie den „Goldenen Sechzigerjahren“ des zwanzigsten Jahrhunderts, denen beispielsweise der Rock’n’Roll-Sänger und „King of Khmer Music“ Sinn Sisamouth zuzuordnen ist, prägt das heutige Kambodscha jedoch zudem auch seine jüngere Geschichte.

Hervorgegangen unter anderem aus der Gegenbewegung gegen die französische Kolonialherrschaft sowie das von den Vereinigten Staaten von Amerika gestützte Militärregime unter Lon Nol, eroberten die Roten Khmer im Jahr 1975 Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Bis 1979 an der Macht, jedoch bis in die 1990er Jahre als Guerillatruppen aktiv und von den Vereinten Nationen lange Zeit als offizielle (Exil-)Regierung Kambodschas anerkannt, ermordeten sie rund zwei Millionen Menschen, fast ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung. Bei ihrem Versuch, das seit der Angkor-Periode massiv geschrumpfte und immer mehr zum Spielball der Gewalten gewordene Kambodscha als kommunistischen Agrarstaat zu alter Stärke zurückzuführen, entlud sich ein hemmungsloser Hass auf alles, was nur ansatzweise gebildet oder intellektuell wirkte. Nach diversen Grenzzwischenfällen intervenierte schließlich das ebenfalls kommunistische Vietnam, welches sich gerade erfolgreich gegen die USA durchgesetzt hatte. Nach zehn Jahren vietnamesischer Verwaltung kam es unter einer Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen 1993 schließlich zu ersten formal-demokratischen Wahlen, die von den Roten Khmer jedoch boykottiert wurden. Erst 1998 endete unter großzügigen Zugeständnissen an die Roten Khmer der Bürgerkrieg. Seitdem machte Kambodscha, gerade in den Bereichen der Bildung und Infrastruktur, enorme Fortschritte. Auch der von den Vereinten Nationen und dem kambodschanischen Staat gemeinsam eingerichtete Gerichtshof zur Strafverfolgung der von den Roten Khmer zwischen 1974 und 1979 begangenen Verbrechen erzielte erste Ergebnisse. In ihrem alltäglichen Leben setzen sich viele, insbesondere jüngere Kambodschaner*innen inzwischen kaum noch mit der Schreckensherrschaft der Roten Khmer auseinander – zu präsent ist die Gegenwart. Dennoch hat diese zweifellos Spuren hinterlassen, die das Land auch noch heute zeichnen.

Weitere landeskundliche Informationen finden Sie u.a. unter http://liportal.giz.de/kambodscha/.

 

Bücher und Filme

Wenngleich es sich auch dabei stets um singuläre und unter Umständen sehr subjektive Darstellungen dieses unglaublich vielfältigen Landes handelt, können folgende Bücher und Filme unter Umständen dennoch interessante erste Einblicke gewähren:

Bücher

  • Benjamin Prüfer: Gebrauchsanweisung für Vietnam, Laos und Kambodscha (2011)
  • Erich Follath: Die Kinder der Killing Fields (2009)
  • Loung Ung: Der weite Weg der Hoffnung (2002)

Filme

  • Marina Kem: Bonne Nuit Papa (2014)
  • Detlev Buck: Same Same But Different (2010)
  • Roland Joffé: The Killing Fields (1984)

 


Last updated: 19.11.2015

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