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Kambodscha einmal anders

Beitrag vom 3. Januar 2017

Kambodscha, ein sogenanntes „Entwicklungsland“ mit authentischer Natur, faszinierenden Tempelanlagen, Müllbergen und armen kleinen Kinder mit Fliegen in den Augen – ist das wirklich das Bild, das wir in unseren Erzählungen über Kambodscha verbreiten möchten? Was ist mit der beliebten AEON Shopping Mall mit 4D-Kino und Eislaufbahn in der Hauptstadt Phnom Penh? Den bis zum Anschlag beladenen Motorrollern, den teuren Toyota Lexus, Mercedes und Rolls-Royce? Der gefragten Fernsehsendung „Cambodia‘s Got Talent“?

Kambodscha ist doch vielfältiger als viele Darstellungen vermuten lassen. Als ehemalige weltwärts-Freiwillige, die ein Jahr in Kambodscha gelebt und gearbeitet haben, werden wir häufig als Expert*innen angesehen. Unter diesen Umständen fällt es schwer, persönliche Erfahrungen nicht zu verallgemeinern und bestehende Stereotype über das Land nicht zusätzlich zu verstärken. Aber welche Darstellung wird der vielfältigen Realität Kambodschas überhaupt gerecht?

Als neu gegründeter Förderverein New Future for Children wollten wir dieser Frage genauer nachgehen und luden bei unserer Auftaktveranstaltung „Kambodscha einmal anders“ am 17. Dezember in die Universität Erfurt zur Filmvorführung und anschließenden Diskussion ein.

 

 

Angesehen haben wir uns den Film „Bonne Nuit Papa“, eine berührende Geschichte, in der sich die Regisseurin Marina Kem auf die Suche nach der Heimat ihres kambodschanischen Vaters macht. Abseits verbreiteter Klischees macht sich der Film mit den Zuschauer*innen auf „eine intensive, versöhnliche und poetische Reise“ in die Familiengeschichte der Regisseurin. Dabei zeigt er Kambodscha auch aus den Augen des Vaters, Dr. Ottara Kem – eine Perspektive, die das Land der Khmer noch einmal ganz anders erfahrbar macht.

Mit dem Film als Ausgangspunkt diskutierten, reflektierten und hinterfragten wir anschließend gemeinsam mit dem Publikum übliche Klischeebilder des Landes Kambodscha. Einige Reiselustige unter den Besucher*innen, die in naher Zukunft einen Kambodscha-Aufenthalt planten, werden sich nun vielleicht anders auf den Weg machen, andere Seiten des Landes entdecken, die über die üblichen Darstellungen hinausgehen. Vielleicht gelingt es ihnen, Gemeinsamkeiten zu entdecken anstatt nach Unterschieden zu suchen, überrascht zu werden und Vorannahmen zu revidieren und Kambodscha so zu sehen, wie Kambodschaner*innen ihr Land gerne zeigen würden.

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